Wieso Coaching beim Start des Corporate Blogs sinnvoll ist

Foto: zwei Sessel Text: Coaching zum Blog-Start

Ein Unternehmen hat sich entschieden, mit einem Blog ins Content Marketing einzusteigen. Der zuständige Mitarbeiter ist von der neuen Aufgabe begeistert. Ein externer Berater macht ihn fit im Bloggen. Doch dann tauchen erste Hindernisse auf. Neben der zusätzlichen Zeitbelastung plagen den Mitarbeiter Zweifel. Während er immer mehr Blogs zum Thema liest, fragt er sich zweifelnd: „Was habe ich Neues beizusteuern?“

tltr: Ein Blog im Unternehmen einzuführen ist ein Change Prozess. Der gelingt besser, wenn Widerstände der Mitarbeitenden aufgefangen werden – zum Beispiel durch Coaching-Elemente.

Zu einer guten Content Strategie zählt, dass die Mitarbeitenden, die die Strategie umsetzen sollen, optimal vorbereitet sind. Zum einen zahlt es sich aus, wenn die betroffenen Mitarbeitenden in den Strategieprozess eingebunden sind. Zum anderen brauchen sie Ressourcen, um ihre Aufgabe bewältigen zu können. Das heißt, sie müssen über ein personelles sowie finanzielles Budget verfügen. Und sie benötigen das fachliche Rüstzeug. Doch diese äußeren Rahmenbedingungen reichen nicht immer. Schon kleinere innere Widerstände genügen, um den Prozess ins Stocken zu bringen. Die Frage lautet oft einfach: „Kann ich das?“

 

Innere Widerstände

Innere Widerstände können rationale und emotionale Ursachen haben. Häufig mischen sich beide Formen. Dass es bereits erfolgreiche Blogs in meiner Branche gibt, ist erst einmal eine rationale Erkenntnis. Diese Einsicht kann sich aber schnell in Unsicherheit oder Zweifel verwandeln, wechselt also auf die emotionale Ebene. Im Change Management wird Widerständen eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Innere Widerstände sind in dieser Lesart ein Hinweis, dass der Mitarbeitende emotional mit der Arbeit verbunden ist. Wer innerlich schon gekündigt hat, dem ist hingegen alles egal. So weit also ein alltägliches Problem aus dem Change Management, oder? Nein, denn Content Marketing hat seine eigenen Herausforderungen.

 

Mitarbeitende fit machen für Social Media – auch emotional. Klick um zu Tweeten

 

Angst vor Social Media?

Content Marketing bedeutet eben nicht nur Inhalte zu produzieren und zu verbreiten. Es bedeutet auch, sich als Person oder zumindest mit seinen Ergebnissen einer breiten Öffentlichkeit zu zeigen. Gerade auf Blogs treten Mitarbeitenden häufig mit ihrem Namen oder sogar Foto in Erscheinung. Dieser Schritt auf die Bühne ist nicht für jeden selbstverständlich und gewohnt. Und selbst wenn ich nicht namentlich in Erscheinung trete, sondern unter dem Firmennamen poste, muss ich mit Kritik umgehen. Eine Kritik, die in den Sozialen Netzwerken, harsch und laut werden kann. Das muss gar kein Shitstorm sein.

Außerdem ist online alles und jeder messbar und vergleichbar – so scheint es zumindest. Dieses ständige Messen kann belasten, wenn zum Beispiele meine Posts nur halb so viel Traffic erzielen wie die meines Kollegen.

Foto: Hände und Laptop. Text. Angst vorm Bloggen?

Richtig Angst haben wahrscheinlich die wenigstens vorm Bloggen – schon eher Zweifel: Kann ich das? Habe ich überhaupt etwas zu sagen?
Foto: unsplash.com

 

Stress behindert das Lernen

Emotionale Widerstände, Überforderung oder Angst erzeugen Stress. Und zwar negativen Stress, den Disstress. Hält dieser Stress lange an, macht er krank. Soweit muss es nicht kommen. Aber schon kleine Stressportionen erschweren es, etwas Neues wie Content Marketing einzuführen. Denn – ohne an dieser Stelle neurowissenschaftlich in die Tiefe zu gehen – negativer Stress behindert das Lernen. Es gibt bessere Umgebungen, um zu lernen und sich neue Fähigkeiten wie das Bloggen anzueignen.

 

So lernen wir: selber tun und wiederholen

Die optimale Lernumgebung ist frei von Stress und Angst. Tatsächlich ist es Freude, die Kinder gut lernen lässt. Als Bild können wir uns ein Kinderzimmer vorstellen. Ein geschützter Raum, in dem die Eltern auf uns aufpassen und wir tun können, was wir wollen. Das ist natürlich in einem Unternehmen nicht so ohne Weiteres möglich, aber wir können uns in diese Richtung bewegen.

Nicht umsonst schaffen Google und andere Firmen Arbeitsräume, die mehr nach Spielplatz aussehen als nach Büro. Zurück zum Lernen: Das eigentliche Lernen funktioniert, indem wir etwas ausprobieren, es wieder ausprobieren und wiederausprobieren. Es ist sowohl wichtig etwas selbst zu tun als auch es möglichst oft zu wiederholen.

Bild: Kind im Garten Text. Entdecken und lernen funktioniert am besten in einer geschützten Atmosphäre.

Wie Kinder brauchen wir Sicherheit und Freiraum, um lernen zu können.
Foto: Maxim Matveev / pexels.com

 

2 Anforderungen an Berater

Was bedeutet das für die Arbeit als Berater – auch wenn der eigentliche Auftrag „Einführung von Social Media oder Content Marketing“ lautet? Zuerst muss der Berater eine Atmosphäre schaffen, die es ermöglicht zu lernen. Einen Raum, in dem sich die Mitarbeitenden ausprobieren können, in dem sie sich das neue Aufgabenfeld aneignen können. Danach muss der Berater die Augen offen halten. Jetzt heißt es Widerstände zu erkennen und damit umzugehen.

 

5 Schritte fürs Coaching in der Fachberatung

 

1. Widerstände erkennen und anerkennen

Rationale Einwände kann ich vergleichsweise einfach einbinden. Sind sie gerechtfertigt, passe ich meine Strategie entsprechend an. Sind sie ungerechtfertigt, widerlege ich sie durch logische Argumente. Herausfordernd sind emotionale Einwände. Wer sagt schon gerne, dass er sich der Aufgabe nicht gewachsen fühlt?

Wir verbergen unsere Gefühle oft hinter rationalen Argumenten – und das oft unbewusst. Beispielsweise führt der Mitarbeiter ins Feld, dass die Zielgruppe zu weit definiert oder die Botschaften zu schwammig seien. Wie komme ich nun an die Gefühle? Die Lösung ist einfach: fragen. „Wie war es, den ersten Blogpost zu schreiben?“ Nicht jeder offenbart darauf gleich seine Gefühlswelt. Dann heißt es weiterfragen. Zunehmend konkreter: „Wie hat es sich angefühlt, als sie nicht mehr weiterwussten?“

 

2. Gefühle benennen

Tritt das Gefühl klar zu Tage, dann nenne ich es beim Namen: „Ich sehe Sie haben Angst, dass Sie das nicht schaffen können.“ Es ist wie in den Filmen und Märchen. Wenn ich den Namen des Dämons kenne, erlange ich Gewalt über ihn: „Dein Name ist Rumpelstilzchen.“ Ich spiegle dem anderen seine Gefühle.  Das Ziel ist es, die Gefühle bewusst zu machen, statt sie zu unterdrücken, zu verleugnen oder wegzudiskutieren. „Sie schaffen das schon. Kopf hoch“, ist zwar nett gemeint, löst aber nicht den inneren Widerstand.   

 

3. Mit Fragen führen: Wozu dient das Gefühl?

Nun wissen mein Gegenüber und ich, dass er Angst hat. Als nächstes zeige ich, dass ich sein Gefühl anerkenne, so dass auch der Mitarbeitende sein Gefühl annehmen kann. Die eigene Angst einzugestehen ist der erste Schritt. Jetzt folgt die Frage, wozu die Angst gut ist. Denn das Gefühl hat ja eine Ursache.

Angst ist ein sinnvoller Hinweis, dass etwas Gefährliches passiert oder passieren könnte. Wenn ein Vierjähriger Angst vor tiefem Wasser hat, springt er nicht einfach ins Schwimmbecken. Die Folge: Er wird nicht so leicht ertrinken und überlebt! Nur wenn die Angst zu stark ist, wird sie zum Hindernis. Wenn der Vierjährige zum Beispiel überhaupt nicht ins Wasser geht, lernt er nicht zu schwimmen.

Nun ist Bloggen nicht lebensgefährlich, aber auch hier drohen Gefahren. Die Angst sich mit einem Blogpost zu blamieren, ist berechtigt. Schließlich handelt es sich um eine Veröffentlichung, einen Schritt in die Öffentlichkeit. Wer da einen Text hinschludert, lässt sich und das Unternehmen in einem schlechten Licht dastehen.

 

4. Widerstände verwandeln: Aus Angst erwächst Begeisterung

Wie geht unser Mitarbeiter nun mit seiner Angst vor dem ersten Blogbeitrag um? Indem er sie als Antrieb nutzt. Die Angst ist der Hinweis, dass ihm ein hochwertiger Inhalt wichtig ist. Das kann ich als Berater unterstützen, in dem ich ihn frage, wie denn das Gegenteil seiner Horrorvision aussehe. Ich lass ihn beschreiben, was ein optimalen Blogpost für ihn ausmacht. Wie es sich anfühlt diesen zu veröffentlichen. Wie die Reaktionen seiner Kollegen, seines Vorgesetzen und seiner Kunden ausfallen. Dieses Bild soll er sich in Gedanken in allen Einzelheiten ausmalen. Dann frag ich ihn, welche Schritte er tun muss, um dieses Bild zu erreichen. Oder für stark Zweifelnde: Welche Schritte muss er tun, um diesem Bild nahe zu kommen.

 

5. Logik im Coaching? Unbedingt!

Ich habe viel über Gefühle gesprochen. Keine Angst, der Verstand hat im Coaching seinen Platz. Ich verwende logische Fragen, um Gefühle wie Zweifel und Ängste einzuordnen. Ein Mitarbeiter hat Zweifel, ob er kompetent genug ist, über eine neue Managementmethode zu schreiben. Schließlich gibt es schon viele etablierte Management-Blogs, Fachzeitschriften und sogar ein Institut, das diese Methode entwickelt hat. Was hat er also dazu beizutragen?

An dieser Stelle hilft die Logik weiter: „Sie wollen sich mit dem Blog als Dienstleister für Ihre Branche in dieser Region positionieren. Nur für diese Region betrachtet, wo würden sich einordnen auf einer Skala von Laie, Anfänger, Anwender, Fachmann, Experte und Autorität?“ Der Mitarbeiter überlegt und sagt: „Also hier in der Region bin ich schon Experte.“ Damit hat er den zweithöchsten Wert auf der Skala eingenommen – und die Zweifel in ein logisches Verhältnis gesetzt.

 

Coaching: Aus Angst wird Begeisterung! Klick um zu Tweeten

 

Positive Folgen von Coaching in der Beratung

Coaching in der Beratung wirkt gleich zweimal. Zuerst einmal ganz kurzfristig und direkt: Die aktuellen emotionalen Widerstände werden dabei nicht nur überwunden, sondern sogar in Motivation verwandelt. Als ich das in einem Beratungsgespräch erstmals anwendete, tat ich das intuitiv. Ich habe pragmatisch gehandelt, denn ich wollte, dass das Projekt ein Erfolg wird. Als sich die Widerstände auftaten, habe ich die Werkzeuge verwendet, die mir angebracht erschienen. Im Folgenden habe ich das immer öfters und schließlich regelmäßig eingesetzt.

Das ist die zweite positive Folge von Coaching in der Beratung: Der Mitarbeitende erlernt die Fähigkeit, mit emotionalen Widerständen umzugehen. Das macht ihn nicht nur fit im Bloggen, sondern auch im Selbst-Coaching. Der Mitarbeitende lernt also mit neuen Situationen und Anforderungen sowie mit emotionalen Widerständen umzugehen. Das macht in fit für zukünftige Herausforderungen.

Bild eines lachenden Mannes. Text: Aus Sorge wird Begeisterung.

Coaching ist ein machtvolles Instrument, um innere Widerstände zu verstehen und zu transformieren. Das Tolle: Der Klient geht gestärkt aus dem Prozess, da es seine eigene Lösung ist. Foto: stock.tookapic.com

 

Coaching in der Beratung als Allheilmittel?

Mir persönlich hilft Coaching in der Beratung. Mein Gegenüber öffnet sich, lässt sich auf das Neue, auf das Wagnis ein. Zweifel verwandeln sich in Begeisterung. Mitarbeitende, die sich für ihre Aufgaben begeistern, sind ein Geschenk für jedes Unternehmen. Dennoch ist Coaching in der Beratung kein Allheilmittel. Dazu sind Menschen zu verschieden. Hindernisse beginnen bei kleinen Stolpersteinen und reichen bis hin zu – vermeintlich – unüberbrückbaren Schluchten. Bei manch einem tuen sich wahre Abgründe auf. Hier stellen sich grundsätzliche Fragen, die einen eigenen Raum benötigen. Außerdem finden wir mit Coaching nicht auf alle Fragen Antworten. Coaching ist nur ein Werkzeug.

 

Mitarbeitende, die sich begeistern, sind ein Geschenk für jedes Unternehmen. Klick um zu Tweeten

 

4 Voraussetzungen für Coaching

Ich sehe vier Voraussetzungen für das Coaching allgemein, die so auch für das Coaching in der Fachberatung gelten.

 

1. Haltung einnehmen: Den anderen ernstnehmen

Das Wichtigste ist meine Haltung dem Menschen gegenüber, den ich begleite. Eine Haltung ist eine Position, die ich bewusst einnehme. Ich entscheide mich, dem anderen freundlich, offen und wertschätzend zu begegnen. Diese Haltung wurzelt in meinem Menschenbild.

 

2. Aufmerksam sein

Damit ich Widerstände überhaupt erkenne kann, muss ich offen, feinfühlig sein. Ich bin in dem Beratungsgespräch aufmerksam und widme mich meinem Gegenüber. Dabei versuche ich aber nicht in dem anderen zu lesen, sondern ich konzentriere mich auf mich und meine Gefühle. Ich nutze meinen Körper quasi als Resonanzraum.

 

3. Zeit: Mit mehr Zeit geht es schneller

Coaching in der Fachberatung braucht Zeit. Nicht weil ich als Berater zusätzliche Coaching-Stunden einschiebe, in der ich mich mit den Gefühlen des Mitarbeiters beschäftige. Wenn ich in der Fachberatung coache, dann baue ich kleine Coaching-Elemente ein. Kurze Momente. Zeit brauchen die Mitarbeitenden, um sich der neuen Aufgabe zu widmen. Das Paradoxe: Nehme ich mir mehr Zeit, komme ich schneller ans Ziel. Wie das geht? Weiß der Mitarbeiter, dass er viel Zeit hat, entspannt er. In dieser Leichtigkeit lernt der Mitarbeiter besser und ist am Ende schneller.

 

4. Raum: Geschützter Lernraum

Lernen funktioniert am Besten über ausprobieren und wiederholen. Ausprobieren heißt, dass es auch schief gehen kann. Daher empfehle ich die Möglichkeit einzubauen, Fehler zu machen und zu scheitern. Denn aus Fehlern lernen wir. Das Baby, das die ersten Schritte macht, fällt immer wieder hin. Immer wieder steht es auf. So lernt es langsam das Gleichgewicht zu halten.

Für diesen Prozess gilt es beim Einführen eines Corporate Blogs einen Raum zu schaffen. Das kann ein im wahrsten Sinne des Wortes geschützter Raum sein: Die Mitarbeiter bespielen den Blog erst einmal nur intern in einer durch Passwort geschützten Umgebung. Wenn sie genügend Erfahrung gesammelt und Fehler gemacht haben, sich endlich sicher fühlen, dann öffnet das Unternehmen den Blog – und entlässt „sein Baby“ gestärkt in die große weite Welt.

 

Nehme ich mir mehr Zeit, komme ich schneller ans Ziel. Klick um zu Tweeten

 

Foto einer Frau mit einer Armbanduhr. Text: Wer sich Zeit lässt, kommt schneller ans Ziel.

Manchmal ist länger schneller, denn wir brauchen zum Lernen und Ausprobieren Zeit – und die Gewissheit, Fehler machen zu dürfen.
Foto: Marcin Czaja / tookapic.com

 

Dieser Text entstand, bevor ich meine Coaching-Ausbildung am INeKo-Institut der Uni-Köln begonnen habe.

Christopher End

Ich unterstütze Unternehmen dabei, Content Marketing einzuführen, spannende Geschichten zu finden und zu erzählen – sei es online, print oder in Social Media.